Eingeschränkte Alltagskompetenz

Eingeschränkte Alltagskompetenz erkennen und richtig handeln

Ab wann sind Senioren auf dauerhafte Betreuung angewiesen?

Wenn alltägliche Aufgaben nicht länger selbstständig und unabhängig sowie eigenverantwortlich erfüllt werden können, spricht man von einer eingeschränkten Alltagskompetenz. Doch was bedeutet das genau und wie lässt sich diese im Einzelfall feststellen? So verschieden wie die Menschen sind können auch die Ursachen und Erscheinungsformen sein, die sie in ihrer Alltagskompetenz einschränken.

Menschen mit Demenz- sowie psychischen Erkrankungen oder geistiger Behinderung sind – unabhängig vom Hilfebedarf im Bereich der täglichen Pflege und Versorgung – in vielen Fällen auf eine dauerhafte Betreuung bzw. Beaufsichtigung angewiesen. Um etwa Gefahren für sich selbst und andere zu vermeiden, Tagesabläufe zu strukturieren und unkontrolliertes Verhalten zu bemerken und dementsprechend zu reagieren, ist z.B. die Anwesenheit von Angehörigen, eines Pflegedienstes oder einer Pflegekraft im Rahmen der 24 Stunden Pflege rund um die Uhr unabdingbar.

Da dieser Betreuungsaufwand zudem eine hohe finanzielle Belastung mit sich bringt, unterstützt die Pflegekasse an dieser Stelle Betroffene je nach Umfang und Grad der vorliegenden Schädigungen oder Fähigkeitsstörungen. Dazu muss jedoch zunächst die eingeschränkte Alltagskompetenz durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) – oder durch MEDICPROOF bei privat Versicherten – festgestellt werden.

Eingeschränkte Alltagskompetenz feststellen: Antrag und Gutachten

Eingeschränkte Alltagskompetenz: Antrag und GutachtenIm ersten Schritt müssen Betroffene bei ihrer Pflegekasse einen Antrag auf Pflegeversicherungsleistungen stellen. Nach dem Beantragen erfolgt die Begutachtung zur Feststellung einer eingeschränkten Alltagskompetenz durch den MDK. Im Rahmen eines Besuchs vor Ort, bestimmt ein Gutachter mit Hilfe von 13 Prüfkriterien den Betreuungs- und Beaufsichtigungsbedarf.

Dabei wird folgendermaßen vorgegangen: Wenn mindestens zwei dieser insgesamt 13 Kriterien für mindestens sechs Monate regelmäßig erfüllt sind und darüber hinaus mindestens eines in den Bereichen eins bis neun der Auflistung liegt, dann kann die eingeschränkte Alltagskompetenz von der Pflegekasse anerkannt werden.

Überblick über die 13 Kriterien für eingeschränkte Alltagskompetenz

  1. Unkontrolliertes Verlassen des Wohnbereichs (Weglauftendenz)
  2. Verkennen oder Verursachen gefährdender Situationen
  3. Unsachgemäßer Umgang mit gefährdenden Gegenständen oder potenziell gefährdenden Substanzen
  4.  Tätlich oder verbal aggressives Verhalten in Verkennung der Situation
  5. Einer Situation unangemessenes Verhalten
  6. Unfähigkeit, die eigenen körperlichen oder seelischen Gefühle oder Bedürfnisse wahrzunehmen
  7. Unfähigkeit zu einer erforderlichen Kooperation bei therapeutischen oder schützenden Maßnahmen als Folge einer therapieresistenten Depression oder Angststörung
  8. Störung der höheren Hirnfunktionen (Beeinträchtigung des Gedächtnisses, herabgesetztes Urteilsvermögen), die zu Problemen bei der Bewältigung von sozialen Alltagsleistungen geführt haben
  9. Störung des Tag-Nacht-Rhythmus
  10. Unfähigkeit, eigenständig den Tagesablauf zu planen und zu strukturieren
  11. Verkennen von Alltagssituationen und inadäquates Reagieren in Alltagssituationen
  12. Ausgeprägtes labiles und unkontrolliert emotionales Verhalten
  13. Zeitlich überwiegend Niedergeschlagenheit, Verzagtheit, Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit aufgrund einer therapieresistenten Depression

Die wichtigsten Begutachtungskriterien im Detail

Ein erhöhter Bedarf an Betreuung und Beaufsichtigung besteht laut Punkt 1, wenn der/die Betroffene eine sogenannte Weglauftendenz zeigt. Das bedeutet, dass er/sie die Wohnung unkontrolliert und ohne Absprache verlassen möchte, etwa aus Orientierungslosigkeit oder um die bereits verstorbenen Eltern oder den Arbeitsplatz aufzusuchen.Läuft er/sie darüber hinaus ungehindert auf die Straße, greift in den Straßenverkehr ein oder ist unangemessen temperaturunabhängig gekleidet, so ist davon auszugehen, dass laut Punkt 2 gefährdende Situationen verkannt oder sogar verursacht werden könnten.

Der dritte Aspekt betrifft ebenfalls mögliche Gefahrenquellen und gilt als erfüllt, wenn der/die Betroffene gefährliche Gegenstände oder potenziell gefährdende Substanzen verkennt. Dabei ist insbesondere der Umgang mit Haushaltsgeräten, Chemikalien sowie Medikamenten, aber auch Feuer und Gasanschlüssen zu beobachten.

Punkt vier und fünf betreffen tätlich oder verbal aggressives und situationsbezogenes inadäquates Verhalten: Darunter fallen sowohl Handlungen wie Kratzen, Beißen, Treten und das Werfen von Gegenständen, als auch unhygienisches, belästigendes und permanent ungehemmtes Handeln ohne ersichtlichen Grund.

Des Weiteren muss geprüft werden, ob der/die Betroffene die eigenen Bedürfnisse korrekt einschätzen kann. Auch Beeinträchtigungen der Hirnfunktion, ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus sowie die Unfähigkeit, den eigenen Tagesablauf zu strukturieren, können unter anderem als Beurteilungskriterien herangezogen werden.

Was bringt die Anerkennung einer eingeschränkten Alltagskompetenz?

Altenpflege: Besichtigung und GesprächMit dem Inkrafttreten des ersten und zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG I und II) erhalten auch Menschen mit psychischen und geistigen Erkrankungen, insbesondere Demenz, vergleichbare Leistungen der sozialen Pflegeversicherung wie dauerhaft körperlich Erkrankte. Viele Menschen, die bisher komplett durch das Raster der gesetzlichen Pflegeversicherung gefallen sind, erhalten jetzt mindestens den Pflegegrad 2.

Wurde anhand der Begutachtungskriterien eine eingeschränkte Alltagskompetenz festgestellt, können – unabhängig vom Pflegegrad – zusätzliche Betreuungsleistungen in Höhe von 125 Euro monatlich von der Pflegeversicherung zur Verfügung gestellt werden. Dieser Entlastungsbeitrag steht seit 2015 aber grundsätzlich allen Pflegebedürftigen zu, unabhängig davon, ob eine eingeschränkte Alltagskompetenz vorliegt oder nicht.

Weitere Ansprüche bestehen zudem für einen Wohngruppenzuschlag, Verhinderungspflegeleistungen als auch Pflegehilfsmittel und Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung. Auch Leistungen zur Tages- und Nacht- sowie Kurzzeitpflege oder niederschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote wie etwa Selbsthilfegruppen, Alltagsbegleiter, Einzelbetreuung und Haushaltshilfen stehen Betroffenen zu.

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